Blog

Guinea-Bissau

Seit Präsident José Mário Vaz die Regierung des Premierministers Domingos Simões Pereira entließ (12. August 2015), steht Guinea-Bissau erneut in der Gefahr innerer Zerwürfnisse und des wirtschaftlichen Stillstands. Dies ist bitter und eine schmerzliche Situation für ein Land, das als eines der ärmsten der Welt nach Jahren der Misswirtschaft, der gegenseitigen Blockierung der politischen Kräfte, der Korruption und des Drogenhandels endlich in der Lage zu sein schien, kontinuierliche, demokratisch legitimierte Aufbauarbeit zu leisten. Dass der Präsident (seit dem 23. Juni 2014), sein entlassener Premierminister und der seit dem 20. August amtierende neue Premierminister Baciro Djá führende Figuren der PAIGC, also der früheren Staatspartei Partido Africano da Independência da Guiné e Cabo Verde, sind, die im Parlament die absolute Mehrheit hat, macht die Lage nicht einfacher. Immerhin verspricht das Militär, das bisher der wesentliche Faktor der Macht und der Unsicherheit war und erst im April 2012 seinen letzten Staatsstreich begangen hatte, sich nicht in die politischen Kämpfe einzumischen.

Mit der Ernennung des neuen Premierministers am 20. August ist die Krise also offenbar noch nicht überwunden. Zur Einordnung sei hier an einige Eckdaten der letzten Jahre erinnert.

2. März 2009: João Bernardo “Nino” Viera wird ermordet.

28. Juni 2009: Malam Bacai Sanhá gewinnt die Präsidentschaftswahlen mit 63% der Stimmen.

26. Dezember 2011: Versuch eines Staatsstreichs mit dem Ziel, den Premierminister Carlos Gomes Júnior zu töten.

9. Januar 2012: Präsident Malam Bacai Sanhá stirbt im Alter von 64 Jahren nach langer Krankheit. Carlos Gomes Jr. gewinnt die Neuwahl, verpasst jedoch die notwendige absolute Mehrheit.

12. April 2012: Am Vorabend der Stichwahl werden Premierminister Carlos Gomes Júnior und Präsident Raimundo Pereira von den Militärs abgesetzt. Die Streitkräfte setzen ein Militärkommando und eine Übergangsregierung unter Serifo Namadjo ein und werden von der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft – CEDEAO, nicht jedoch von der internationalen Gemeinschaft anerkannt. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen zeigt sich bestürzt über den seit dem Militärputsch schnell wachsenden Drogenhandel. Die allgemeine Unsicherheit wächst. Es häufen sich nicht aufgeklärte Gewaltakte, Verfolgung und Gefangensetzung von Personen, Folter, Schießereien und andere Störungen des öffentlichen Lebens und Unruhen.

18. Mai 2014: José Mário Vaz, genannt Jomav, gewinnt die Neuwahlen mit Unterstützung der PAIGC. Die Mehrheitspartei schlägt Domingos Simões Pereira als Premierminister und Cipriano Cassamá als Präsident der Nationalversammlung vor.

Seither schien die Regierung stabil. Sie begann mit bi- und multinationaler Unterstützung mit der Durchführung lange überfälliger Reformen.

6. August 2015: Gerüchte von der Entlassung des populären Premierministers durch den Präsidenten, der seine Machtbefugnisse erweitern will. Seither gab es zahlreiche Proteste und Massenkundgebungen sowie entschiedene Stellungnahmen führender nationaler und internationaler Politiker und Organisationen gegen die Maßnahmen des Präsidenten.

10. August 2015: Friedliche Massendemonstration in Bissau gegen den Präsidenten.

14. August 2015: Premierminister Domingos Simões Pereira und sein Kabinett werden entlassen und am

20. August 2015: durch Baciro Djá ersetzt.

Kernpunkt des Streits ist das Projekt der Revision der Verfassung. Der Präsident möchte seine Macht durch die Einführung der Präsidialdemokratie stärken, gegen den Widerstand aller demokratischen Kräfte, der im Land entscheidenden internationalen Institutionen, allen voran der UN und der EU, und gegen den Willen der führenden Organisationen der Zivilgesellschaft. Der Generalsekretär der Vereinten Nationen mahnte Verständigung und Zusammenarbeit der politischen Kräfte an (UN-Bericht v.13.8.2015).

von Johannes Augel, Bielefeld, Amílcar Cabral Gesellschaft e.V.

Quellen:

http://acaocidadao2012.blogspo (Aufruf der Gruppe Ação Cidadã zur Einigkeit mit dem Schlagwort „nô ten ku uni“)

https://www.facebook.com/dsimoespereira.paigc/posts/435554233294370 (Erklärung des entlassenen Premierministers Domingos Simões Pereira)

Weitere Informationen:

http://www.rtp.pt/noticias/mundo/pm-da-guine-bissau-vai-dirigir-mensagem-ao-pais-em-clima-de-crise-politica_n849703

http://www.dn.pt/inicio/globo/interior.aspx?content_id=4717816

www.uniogbis.unmissions.org 

http://ditaduradoconsenso.blogspot.de/

http://www.rtp.pt/noticias/mundo/pm-da-guine-bissau-vai-dirigir-mensagem-ao-pais-em-clima-de-crise-politica_n849703

http://www.dn.pt/inicio/globo/interior.aspx?content_id=4717816

https://www.facebook.com/NoPensaGuine
https://www.facebook.com/pages/RadioBantaba/124013164366472

http://www.portugues.rfi.fr/guine-bissau/20150817-caminhada-solitaria-perigosa-para-o-presidente-e-para-guine

Desafios de governação e consolidação democrática em África: o caso guineense von João Ribeiro Butiam Có -Sociólogo – Guiné Bissau: http://www.tempopresente.org/index.php?option=com_content&view=article&id=4769:desafios-de-governacao-e-consolidacao-democratica-em-africa&catid=40&Itemid=127

 

Am 11.07.2015 findet die Tagung „Nachhaltiger Tourismus in Guinea-Bissau und Kap Verde“ ab 9 Uhr im Haus der Demokratie, Greifwalder Str. 4, 10405 Berlin statt. Organisiert von der Amilcar Cabral Gesellschaft e.V. und Nô Lanta Djunto e.V..

vorläufiges Programm, Samstag 11.07.2015

Arne Lund (Europäisch-Kapverdischer Freundeskreis e.V.): „40 Jahre Republik Cabo Verde – (Nachhaltiger) Tourismus als Perspektive für ein
Land im Wandel der Zeit“

Petra Schmidt ( Europäisch Kapverdischer Freundeskreis e.V.): „Aktuelle Entwicklungen im nachhaltigen Tourismus in Kap Verde“

Abdulaye Seca (IBAP – Instituto da Biodiversidade e das Áreas Protegidas, Bissau, Guinea-Bissau): „Nachhaltiger Tourismus in Guinea-Bissau“ (genauer Titel noch nicht festgelegt)

Bereits am Vorabend, Freitag, 10.07.2015 wird Kolja Kunt Sequenzen aus ihrem aktuellen Filmprojekt vorstellen.

Am Sonntag den 12.07.2015 lädt die Amilcar Cabral Gesellschaft e.V. zu Mitgliederversammlung im Auster Events & Restaurant im Haus der Kulturen der Welt, John-Foster-Dulles-Allee 10, 10557 Berlin ein.

Detailliertes Programm in Kürz verfügbar.

Bei Interesse – kurez Mail an info[at]amilcar-cabral-gesellschaft.de

Obwohl vielen in Deutschland unbekannt, unterhielt Guinea-Bissau in den 70er und 80er Jahren enge Beziehungen zur DDR. Daher trifft man auch heute noch auf viele deutschsprachige Guineer in Bissau. Die DDR vergab ab den 60er Jahren zahlreiche Stipendien an Studenten und führte Fortbildungen für Regierungsmitarbeiter in Deutschland durch. Mit dem Zusammenbruch der DDR 1990 schliefen auch die Beziehungen zu Deutschland ein und bewegen sich seitdem auf geringem Niveau. So ist es auch für die junge Generation in Bissau schwierig geworden Deutsch zu lernen. Zurzeit gibt es eigentlich nur eine Möglichkeit in Bissau an Deutschkursen teilzunehmen.

Deutsch lernen bei AGAA

Seit dem Schuljahr 2007/08 organisiert der Deutsch Guineische Freundschaftsverein (Associação dos Amigos Guineenses da Alemanha, AGAA) Deutschkurse auf verschiedenen Niveaustufen. Die Finanzierung erfolgt über die deutsche Botschaft in Dakar.

Schüler des Deutschkurses am INEP Bissau 2008/2009

In den ersten Jahren fand der Unterricht findet am INEP (Instituto Nacional de Estudos de Pesquisa) statt. In diesem Jahr sind die Deutschkurse jedoch an einen zentraleren Ort im Zentrum (Praça) gezogen. Die Kurse finden jetzt im Kursraum des Projekts „Mom ku Mom“ des Weltfriedensdienst e.V. in der Rua Justino Lopes statt.

Die Kurse beginnen jedes Jahr im Oktober/November und dauern über drei Trimester bis Juni/Juli. Je nach Bedürfnissen der Teilnehmer finden an 2-3 Terminen wöchentlich 2 Unterrichtseinheiten à 45 min. statt. Eine Niveaustufe nach Europäischen Referenzrahmen GER wird so in ca. einem Jahr durchlaufen (ca. 150 UE).

Deutschunterricht an öffentlichen Schulen

Bis vor wenigen Jahren gab es in Bissau auch an einigen öffentlichen Schulen Deutschunterricht, der von ehemaligen Deutschland Stipendiaten durchgeführt wurde. Zum aktuellen Zeitpunkt wird Deutsch meines Wissens an keiner öffentlichen Schule mehr unterrichtet.

Prüfungen? = eine Reise in den Senegal

Offizielle Prüfungen können in Bissau derzeit noch nicht abgelegt werden. Um Sprachprüfungen (z. B. im Zuge des Ehegattennachzugs) abzulegen muss das Goethe Institut Dakar aufgesucht werden. Dieses bietet im Sommer „Superintensivkurse“ auf den Niveaustufen A1 bis B2 an. In diesen Sommerkursen (meist Ende Juni bis Anfang August) soll eine Niveaustufe in 6 Wochen erreicht werden. Die Kurse kosten inkl. Lehrmaterialien und Prüfungsgebühr ca. 200.000 XOF (305 Euro).

Prüfungen können am Goehte Institut Dakar aber auch ohne vorherigen Besuch eines Kurse am abgelegt werden. Die Prüfungsgebühr für die Start Deutsch 1 Prüfung in Dakar beträgt für externe Teilnehmer 40.000 XOF (60 Euro). Anreise und Unterkunft müssen sich die Teilnehmer selbst organisieren.

Deutschkurse in Bissau 2012/2013:

Ab November 2012 – verschiedene Niveaustufen – Mo + Mi oder Di + Do – am Nachmittag bzw. frühen Abend je 2UE à 45 min. – im Kursraum des Projekts „Mom ku Mom“ des Weltfriedensdienst e.V. in der Rua Justino Lopes – Nähe BRS.

Informationen und Anmeldung bei Herrn Wolfgang Frohnert unter Tel. 00245 – 530 81 00

 

Nachdem ich im Dezember 2009 hier mit den „Geschichten um den Brühwürfel“ erste Ergebnisse meiner Forschungsarbeiten veröffentlicht habe, sind diese mittlerweile im Leipziger Universitätsverlag als Buch erschienen. Der Brühwürfel springt vermutlich jedem Westafrika-Reisenden ins Auge –  ich freue mich daher die Resultate nun einem größere Publikum präsentieren zu dürfen. Kritik und Anregungen sind jederzeit willkommen.

Maggi in Guinea-Bissau - über das Brühwürfelphänomen in WestafrikaDer Brühwürfel der Firma Maggi begleitet uns und die Entwicklungen der modernen Lebensmittelindustrie bereits seit über 100 Jahren. Er ist ein Produkt unter vielen anderen, die im Zuge der Globalisierung ihren Weg um die Welt gemacht haben. In Westafrika ist es der Brühwürfel, der es als selbstverständliche Zutat in die Kochtöpfe der Menschen geschafft hat. In Guinea-Bissau heißt er gusto, Geschmack.

Die vorliegende Ethnographie versucht, den Platz, den er in den Küchen Guinea-Bissaus eingenommen hat, zu skizzieren. Dabei führt der Weg von der Entstehungsgeschichte des Würfels in Europa und Südamerika zur heute in Guinea-Bissau genutzten Form. Dort ist er heftig umstritten: Die einen halten ihn für eine Ingredienz kulinarischer Dilettanten, die anderen fürchten, dass er die lokalen Esstraditionen verdrängt. Diejenigen, die ihn für einen nicht zu ersetzenden Bestandteil ihrer täglichen Mahlzeiten halten, fragen sich, wie man ein Essen ohne „Gusto“ zubereiten könne. Im Für und Wider um den Brühwürfel stellt sich dar, was von den Akteuren als eine gute Mahlzeit verstanden wird und was nicht. Im Konsum des Brühwürfels scheinen sich auch Wünsche, die über das Gebiet der Ernährung hinausgehen, auszudrücken.

„Maggi in Guinea-Bissau – über das Brühwürfelphänomen in Westafrika“ – Leipziger Universitätsverlag, 2011, ISBN 978-3-86583-580-2 , Preis 20 Euro, Inhaltsverzeichnis

Exemplar per Mail an mstoppok[at]gmail.com bestellen,

im normalen Buchhandel, oder bei Amazon kaufen.

Ich wünsche allen Lesern viel Spass bei der Lektüre dieser unterhaltsamen Ethnographie!

Nachdem in den letzten Jahren die Verbindung zwischen Bolama und Bissau nur noch mittels Pirogen aufrecht erhalten wurde, ist seit Anfang des Jahres 2011 ein neues Schiff auf der Linie in Betrieb. Die „IV Centenário de Cacheu“ wird in Zukunft die Linie von Bissau über Bolama nach Catió bedienen. Derzeit wird jedoch nur der Abschnitt Bissau – Bolama – Bissau bedient.

Bei der Wiedereinweihungsfeier war auch Premierminister Carlos Gomes Júnior anwesend. Sie hätten schon begonnen ihre Versprechen in Bezug auf die Verbesserung der Infrastruktur einzulösen. Noch vor Ablauf seines Mandates würden zwei weitere Schiffe der selben Größe angeschafft, um auch die anderen Inseln vor der Küsten Bissau besser anzubinden. Außerdem werde es wieder eine guineische Fluggesellschaft geben, verkündete Premier Gomes Júnior.

Mit Pirogen wurde der Verkehr von Bissau nach Bolama bislang abgewickelt

Es sei unfassbar, das im 21. Jahrhundert noch immer Personen mit Pirogen reisen müssten, gab der Direktor des Hafens Bissau Mário Loureiro in typischer Fortschrittsmanier bekannt. Weiterhin müsste Guinea-Bissau eine angemessene maritime Infrastruktur schaffen, um den Bedürfnissen der Bevölkerung gerecht zu werden, die ein Recht auf diese hätten. Er garantierte, dass sie weiter an der Rehabilitierung der Infrastrukturen arbeiten würden.

Die „IV Centenário de Cacheu“ wurde von der guineischen Regierung im Jahr 1989 anlässlich der 400Jahr Feier der Stadt Cacheu erworben und bediente ursprünglich die Linie zwischen Cacheu und São Domingos im Norden des Landes. Das Schiff sollte dort den Austausch zwischen den Gemeinden am Rio Cacheu erleichtern. Nach acht Jahren im Betrieb kam es jedoch Havarie und das Schiff wurde in die Hafenanlagen von Bissau gebracht. Durch die Wirren des Konfliktes vom 9. Juni 1998 wurde das Schiff endgültig außer Betrieb gesetzt. Jetzt, dreizehn Jahre nach diesem Ereignis, wurde die „IV Centenário de Cacheu“ einer Generalüberholung unterzogen. Zunächst wurde in Zusammenarbeit mit der „Damen Shipyards Goringhem“ in den Niederlanden die Situation des Schiffes evaluiert. Für mehr als 200.000 Euro wurden die kompletten Maschinen ausgetauscht sowie über 70% des Schiffsrumpfes erneuert. Darüber hinaus wurde natürlich auch das gesamte Bord Equipment erneuert. So wurden unter anderem die Rettungseinrichtungen, ein neuer Generator und zehn Plasma-TV-Geräte angeschafft.

Die IV Centenario Cacheu wird in Zukunft die sichere und komfortable Überfahrt von Bolama nach Bissau garantieren.

Die Entscheidung die „IV Centenário“ zu reparieren fällte die Regierung im Januar 2009, nachdem bei mehreren Unfällen mit den sonst genutzten Pirogen 84 Personen gestorben waren – diese Unglücke hatten sich allerdings nicht auf der Linie nach Bolama, sondern vor allem vor der an der nördlichen Küste gelegenen Insel Pexice ereignet.

Die „IV Centenário“ hat Platz für rund 150 Passagiere und 10 Tonnen Fracht. Jeden Freitag geht es von Bissau nach Bolama, am Sonntag fährt die „IV Centenário wieder zurück nach Bissau. Die genauen Abfahrtzeiten richten sich nach den Gezeiten und sind am Hafen in Bissau zu erfragen / werden am Vortag per Aushang bekannt gegeben. Der Preis für die einfache Fahrt beträgt 3000 Fcfa.

Nach nur wenigen Wochen im Dienst lief die IV Centenario Cacheu auf eine Sandbank. Die Passagiere konnten von herbeigeeilten Pirogen übernommen werden. Die IV Centenario Cacheu wurde in den Hafen von Bissau geschleppt und wartet dort auf eine erneute Reparatur. Seit April übernehmen nun die kleinen Pirogen wieder die Verbindung Bissau-Bolama.

Quellen: Portos da Guiné-Bissau, Jornal Nô Pintcha, Lusa, Oje, eigene Angaben.

Manfred Stoppok, 24.02.2011