Wenn man in Bissau krank wird, was doch relativ häufig der Fall ist, kann man unter verschiedenen Kliniken wählen. Es gibt eine handvoll kleinerer privater Kliniken, deren Ruf zumeist besser ist als der des staatlichen Krankenhauses „Hospital National Simao Mendes“.

So hat man die Qual der Wahl wohin man denn nun gehen sollte. Auch die privaten Kliniken / Praxen machen meist einen wenig vertrauensvollen Eindruck. Da für die meisten Leute hier schon das Geld für ein Gespräch mit dem Arzt schwer aufzutreiben ist – es kostet je nach Ort zwischen 1,80 und 18 Euro pro Konsultation – wird auf weitere Analysen meist gleich verzichtet. Doch auch wenn man diese machen würde, weiß man hinterher oft genauso wenig wie zuvor: Aufgrund unhygienischer Bedingungen ist die Trefferquote bei den Blutanalysen nicht gerade die beste. Zuverlässige Labors gibt es nur zwei – eins unter französischer und eins unter italienischer Leitung – doch die haben auch ein eher europäisches Preisniveau zu bieten, so dass man für ein paar Analysen schnell mal 50-100 Euro los ist – mehr als ein durchschnittlicher Monatslohn. So bekommt man von seinem Arzt des Vertrauens gleich eine große Liste mit Medikamenten gegen Malaria, Typhus, Salmonellen, Würmer und Parasiten. Wenn man das alles genommen hat ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass man wieder gesund wird, wenn nicht kann man noch ein paar weitere Sachen probieren…

Von Ärzten bekommt man oft abenteuerliche Geschichten zu hören, was man denn angeblich alles hätte. Gefühlt scheint das Wissensniveau der hiesigen Ärzte unter dem eines etwas medizinisch versierten Patienten in Deutschland zu liegen. So ist man hier im Zweifelsfall selbst der bessere Arzt. Dennoch, Ordnung muss überall sein. So muss man sich beim Arzt zwar vorher keinen Termin holen, doch muss jeder Name ordnungsgemäß in das Buch eingetragen werden. Eine Rechnung mit Stempel „bezahlt“ gehört auch immer dazu. Da man hier, trotz der desolaten staatlichen Lage, zu einem ausgeprägten Nationalismus neigt, prangt auf jeder Rechnung, jedem Rezept der Briefkopf „Republica da Guiné-Bissau“.

Im „Simao Mendes“ gibt es zwar keine zentrale Registrierung der Patienten – wenn man jemanden besuchen möchte, muss man schon selbst wissen ob und in welchem Gebäude er überhaupt untergebraucht ist. Das hindert jedoch nicht daran von jedem Besucher, der das Krankenhaus betritt die Ausweise zu verlangen und erst bei Verlassen des Krankenhauses wieder auszuhändigen. Einen neuen Anstrich hat das „Simao Mendes“ nun auch bekommen – eine strahlend grünliche Farbe. Drinnen hat sich aber nichts geändert. Für den europäischen Besucher ist es wohl immer ein Schock – ein Krankenhaus in dem es nichts zu geben scheint. So kann einem als Patient auch schon nach einem Tag nach der Operation mitgeteilt werden, dass man nach Hause gehen kann, denn bei Komplikationen könne man eh nichts machen. Dementsprechend sieht auch das Labor aus. Ein dunkler, dreckiger Ort. Ich war dort für einen Malariatest. Ein Angestellter gab gerade ein paar Tropfen Blut auf eine Glasscheibe, da diese nicht ganz sauber schien, holte er eine altes, zerfetztes Küchetuch aus seiner Tasche um sie abzuwischen, das Blut darauf zu geben und dann zu mikroskopieren.

Das Hospital Nacional Simao Mendes in Bissau - Der Haupteingang mit Besucherkontrolle

Raten und tippen ist bei Ärzten wie bei Analyse-Ergebnissen der Standart, aber irgendwas von den bekannten Krankheiten wird man schon haben. So ist krank sein in Bissau eine relativ frustrierende Angelegenheit, deshalb man auch mit jeder ernsteren Angelegenheit zusieht, dass man nach Ziguinchor oder Dakar in den Senegal fährt. Dort ist es nach europäischem Standart zwar immer noch nicht sehr toll, aber verglichen mit Bissau schon ein Traum.

Augrund der schwierigen Bedingungen im Lande ist eine vielzahl guineischer Ärzte im Senegal oder in Portugal geblieben. Die, die in Guinea-Bissau geblieben sind, konzentrieren sich auf die Hauptstadt und tun ihr Bestes. Vieles erscheint geradezu paradox, aber schon mit der misslichen Gesamtlage lässt sich vieles erklären, so dass vieles aus dem Kuriositätenkabinett dann doch nicht so merkwürdig ist wie es hier vielleicht erscheinen mag.