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Guinea-Bissau

Der Weg von Bissau nach Dakar führt zuerst nach Ziguinchor in der Casamance, Senegal. Wie so oft sind allein bis zur Grenze zahlreiche Polizei und Militärkontrollen über sich ergehen zu lassen. Mal zahlt nur der Fahrer ein kleines Geld oder zeigt die Dokumente vor, mal steigen alle aus, Passkontrolle, und mal zeigt man auch noch sein ganzes Gepäck vor. An der Grenze wiederholt sich das Spiel dann noch einmal in aller Ausführlichkeit. Wohl bedingt durch den bewaffneten Konflikt in der Casamance, wird auch noch einmal vor Einfahrt nach Ziguinchor kontrolliert. Die Strasse wird gleich nach der Grenze deutlich breiter, sonst ändert sich nichts. Beim ersten mal das kleine Abenteuer, auf Dauer lässt es die eigentlich nur 200 Km lange Strecke deutlich länger erscheinen. Der Zustand der Fahrzeuge tut sein übriges…

Einfahrt nach Ziguinchor

Einfahrt in die Stadt Ziguinchor

Ziguinchor sieht auf den ersten Blick nicht viel anders aus als Bissau. Während in Bissau noch Landwirtschaft in der Stadt betrieben wird, man bei der Einfahrt in die Stadt noch Reisfelder sieht, reihen sich die Viertel von Ziguinchor an einer großen, breiten, staubigen Strasse auf, insofern macht es einen traurigen ersten Eindruck. Doch die Infrastruktur sieht in Ziguinchor dann doch schon ganz gut aus. Der zentrale Busbahnhof ist schon auf einem asphaltierten Platz angesiedelt, die Hauptstrassen und die Strassen im Zentrum sind geteert, es scheint eine einigermaßen funktionierende Stromversorgung zu geben, am Ufer des Rio Casamance haben sich einige Hotels angesiedelt und auch das alte Stadtzentrum und die Regierungsbauten sind in einem funktionsfähigen Zustand. Fischfang wird mit zahlreichen kleinen Pirogen betrieben und ein neuer Fischereihafen ist im Bau.

Fischereihafen Ziguinchor

Reges Treiben am Fischereihafen

Die Franzosen haben ein sehenswertes, einem Diola-Haus nachempfundenes Kulturzentrum gebaut; auch ein senegalesisches existiert, architektonisch nicht so prächtig, aber auch interessant.

Französisches Kulturzentrum Ziguinchor

Das französische Kulturzentrum – einem Diola Haus nachempfunden

Insgesamt stellt sich eine ganz nette, insbesondere bei Dunkelheit wesentlich städtischere Atmosphäre ein als in Bissau und das obwohl Ziguinchor mit seinen 160 000 Einwohnern viel kleiner ist als Bissau. Und doch merkt man schon das die Infrastruktur nicht alles ist, trotz Strom und Wasser und immer noch  vielen Menschen auf der Strasse, wirkt es ganz einfach langweiliger.

Strasse am Hafen - Ziguinchor

Strasse am Hafen – Ziguinchor

Die Fähre „Aline Sitoe Diatta“ ist erstaunlich modern. Zweimal die Woche geht es auf die rund 15 Stunden dauernde Fahrt nach Dakar. Das Schiff ist modern und bequem ausgestattet, es hat erst 2008 den Dienst aufgenommen. Man wird nochmals ausführlich kontrolliert, bevor man auf der Schiff gelangt werden Pass und Passnummer auf dem Ticket vier mal kontrolliert. Um noch ein paar Kuriositäten zu berichten, interessant auch die Ankunft in Dakar: beim Aussteigen wird man wieder mal die 150m zur Ankunfthalle mit dem Bus befördert. Vor der Halle wird das aufgegebene Gepäck in Reihen aufgestellt. Erst wenn alle Passagiere in der Halle sind, werden die Tore geöffnet und alle stürzen heraus um ihre Gepäckstücke zu suchen. Herrlich!

Rio Casamance

Blick auf den Rio Casamance

Place d'independence - Dakar

Place de l’independence – das Zentrum Dakars

Dakar ist eine moderne Großstadt – mit allen dazugehörigen Einrichtungen. Das Zentrum ist geprägt von neueren mehrstöckigen Bürogebäuden. Von alter Kolonialer Architektur ist nicht viel zu sehen. Bedingt durch die geographische Lage auf einer Halbinsel, reihen an den Strassen sich Richtung Inland dann die diversen Wohnviertel Dakars auf. Es gibt jegliche Einrichtung, die man aus Europa gewöhnt ist. Vom afrikanischen Markt bis zur kleinen französischen Luxusboutique ist alles vorhanden.

Für Leute aus Bissau ist Dakar vor allem zum studieren, einkaufen und der medizinischen Versorgung interessant. Auch in Ziguinchor haben sich schon viele, insbesondere die mit besserer Ausblidung, die auf der Flucht vor den wirtschaftlichen Verhältnissen in Bissau sind, niedergelassen So ist es nicht so schwer jemanden zu finden der noch etwas Creol versteht.

Ansonsten leben auch mehrere Zehntausend Europäer in der Stadt. Für mich machte die Stadt schon eher den Einruck einer teilweise etwas vernachlässigten spanischen Großstadt.

Dakar - Zentrum

Blick auf das Stadtzentrum

So merkt man an dem Bericht es kommt immer darauf an von wo man kommt. Die Reise von Bissau nach Dakar, erscheint wie eine Reise zurück nach Europa. Und immer scheint die Infrastruktur das entscheidende Merkmal zu sein. Käme man nun von Madrid nach Dakar würde einem der Verfall und das nicht Funktionieren, die Gelassenheit auffallen. Von Bissau kommend die erstaunlich gut funktionierende Infrastruktur und die Vielfalt der Einkaufsmöglichkeiten und deren Präsentation und die Hektik und das geschäftige, eilige Treiben in der Stadt. Das ist natürlich nur der erste Blick, hinter dem, wie es ein Reiseführer ausdrücken würde, es noch viel mehr zu „entdecken“ gibt.

Blick auf den Hafen

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Jedem, der nach Bissau kommt, wird der insgesamt marode Zustand der gesamten städtischen Infrastruktur auffallen – es ergibt sich ein tropisch, karibisch, marodes Flair, welches besonders in der Innenstadt doch stark an Portugal erinnert. In den „Bairros“ reihen sich mit Wellblech bedeckten Häuser und Hütten aneinander, Straßen und sonstige Infrastruktur gibt es meist keine. Dem ausländischen, europäischen Betrachter wird die pure Armut ins Auge stechen. Obwohl Bissau offiziell als eines der ärmsten Länder der Welt registriert ist, existieren dicht gedrängte Elendsviertel (noch) nicht wirklich. Die allermeisten Häuser verfügen über Grundstück und kleinen Garten. Auch in der Stadt wird Landwirtschaft auf diversen „Bolanhas“ – Nassreisfeldern betrieben. Es herrscht noch keine so große Platznot wie in anderen Ländern.

Daneben existiert auch noch das Bissau der reicheren Leute, der Entwicklungshelfer, Diplomaten, Funktionären und Drogenhändlern. Etwas Abseits der Hauptverkehrsstraßen haben sich schon ein paar kleinere Villenviertel gebildet. Für europäische Verhältnisse ist die Infrastruktur immer noch unzureichend, aber für hier ist es doch eine andere Welt.

Im sogenannten „Bairro dos Ministros“, einem Viertel in dem die Regierung für Minister Wohnraum geschaffen hat, existieren einige kleine Villen, etwas abseits der wenigen Verkehrsmarginalen gelegen weht auf dem Hügel meist eine angenehme Brise und man hat Ausnahmsweise einen Blick auf das nahe Meer. Die meisten dieser in den 90er Jahren gebauten Häuser stehen jedoch leer, da die Minister nach ihrer Regierungszeit wieder ausziehen müssten und die gesamte Einrichtung dort bleiben würde – so ziehen es die meisten vor gleich in den eigenen vier Wänden zu bleiben und dort den Reichtum zu akkumulieren um ihn auch über die Amtzeit hinaus zu sichern, wie mir mein Begleiter erklärt.

Im Vierte stehen diverse Villen im Rohbau – das Geld dafür stammt seit einigen Jahren aus dem florierenden Handel mit Kokain. Guinea-Bissau ist zum größten Umschlagplatz für Kokain in Westafrika geworden. Noch meist nur als Transitland, aber es scheint nur eine Frage der Zeit bis sich das ändert. Dem ganzen begegnet man mit großer Offenheit. Man konnte mir genau sagen welcher Hausbesitzer welchen Geschäften nachgeht. So heißt es dann auch allgemein: Gehst du nach Portugal arbeitest du auf dem Bau, gehst du nach Spanien verkaufst du Koks. So sprießen auch auffällig viele Villen aus dem Boden ohne dass es sonst in irgendeiner Hinsicht wirtschaftlich bergauf ginge…

Auch am Stadtrand von Bissau entsteht das ein oder andere Viertel in dem sich die reichere Bevölkerung nieder lässt und auch im Stadtzentrum tut sich die ein oder andere Strasse auf, in der plötzlich eine gepflegte Bebauung mit Gärten und hoher Mauer hervortritt.

In den „Bairros“ erscheint neben den Wellblechhütten auch immer mal ein gepflegtes Haus mit Garten und obligatorisch meist auch mit Mauer und einbetonierten Scherben zur Einbrecherabwehr. In dieser Hinsicht ist Bissau ein heißes Pflaster, aber dennoch im Vergleich zu anderen afrikanischen Metropolen harmlos.

In den vergangenen 35 Jahren seit der Unabhängigkeit sind wohl tausende ausländische Kooperanten nach Bissau gekommen. Alle um die Entwicklung des Landes im europäischen Sinne voranzutreiben – und alle sind gnadenlos gescheitert. Es existiert kaum ein Projekt, dass je erfolgreich gearbeitet hat. Dies ist auch bis heute der überwiegende Tenor der Armada der Entwicklungshelfer und Experten – die Arbeit ist für die meisten frustrierend. Das hindert die zahlreichen Nichtregierungsorganisationen (NGO) aus den Industrieländern und anderen Akteure wie Weltbank oder Europäische Union jedoch nicht daran immer neue Projekte aufzuziehen und weitere Kooperanten zu schicken. Für diese hat sich ein luktrativer Immoblienmarkt entwickelt. Selbst für ein kleines Apartment, ein Zimmer mit Bad, mit Strom und Wasserversorgung sind meist mindestens 600 Euro zu berappen. Für Häuser und größere Wohnungen sind oft 1000 Euro und mehr zu zahlen – für einen Standard der immer noch deutlich unter dem in Europa liegt. Aber da kaum jemand die Miete wirklich aus eigener Tasche zahlen musste, das Geld aus den Organisationen kommt, spielt es auch keine Rolle. So haben sich aberwitzige Mietpreise etabliert. Dennoch herrschen grosse Unterschiede, einige Organisationen schicken ihre Mitarbeiter für eher symbolische Gehälter, andere Träger zahlen hohe Spesen. Wieder andere Weiße, die in Bissau leben, leisten sich dies eher als Luxus aus der Pensionskasse. Und ein paar arme Studenten, wie mich, die eher zu Fuss von Dorf zu Dorf ziehen, gibt es auch noch. Insgesamt hat die Stadt so ihre ganz eigene Logik hervorgebracht.

Auf der Anderen Seite kann man auch schon für 80-100 Euro ein ganzes Haus mieten und in etwas Eigenarbeit auf einen vernünftigen Standard bringen und viel Geld sparen.

Auch die heimgekehrten Migranten können sich oft ein schickeres Haus leisten.

Das SITEC – gebaut von Migranten, die in Deutschland studierten. Sitz der deutschen und amerikanischen Vertretungen. Außerdem Bürokomplex und Internetcafé.

Der Hummer, bis März letzten Jahres das vorzeigauto in Guinea-Bissau. Der im März 2009 ermordete Präsident, einige Minister und potenzielle im Drogenbusiness Aktive führten den Wagen gerne vor. Seit der Ermordung des Präsidenten sind alle aus dem Strassenbild verschwunden – wahrscheinlich will niemand dieses Schicksal teilen. Das obwohl der Präsident zu Hause von Soldaten erschossen wurde, keineswegs im Auto.

Madina de Boé ist ein kleiner Ort im äußersten Südosten von Guinea-Bissau. Es ist, neben dem Bijagos Archipel und dem Süden des Landes, die abgelegenste Region des Landes. Um dorthin zu gelangen gibt es weder eine geteerte Strasse noch eine einigermaßen passable Piste, weshalb es auch so gut wie keinen öffentlichen Transport in der gesamten Region gibt. Nur alle paar Tage startet mal LKW in diese Richtung – immer Mittwochs ist Markttag in Guiledje, 10 Km von Madina de Boé entfernt, dann starten LKW’s aus Gabú, Quebo und Guinea-Conakry um Güter aller Art zu verkaufen.

Von Bissau geht es frühmorgens vom zentralen Omnibusbahnhof – „Paragem“ – mit einem alten, aber verhältnismäßig komfortablen Reisebus in die Hauptstadt der Region L’Este – Gabú – benannt nach dem gleichnamigen früheren Königreich Gabú – rund 200 Km von Bissau entfernt.

Zentraler Omnisbusbahnhof in Bissasu - hier starten Reisebusse, "Sete Place" (der Peugeot 505, als Siebensitzer) und "Trans Misto" Kleinbusse à la Sprinter, meist mit 16-25 Personen

Bereits wenige Kilometer von Bissau entfernt passiert man die erste Militärkontrolle in Safim, der Bus stoppt, der freundliche Soldat mit der Bazooka fordert alle Passagiere zum aussteigen auf, und zwar schnell, Stichprobenartig werden die Papiere kontrolliert, bei fliegenden Händlern kann man sich mit Bananen, Erdnüssen, Saft, Eis und Ähnlichem versorgen. Dann geht es weiter, nach rund 60 km, dann die nächste Militärsperre – Jugudul -, wieder alle raus, Taschenkontrolle, kurze Pause dann geht’s wieder weiter, bis nach zum Abzweig nach Bambadinca, dort dann der nächste Stop, diesmal kein Militär sondern Kartoffeln kaufen – in der Region gibt es die besten und billigsten…Wir passieren Bafatá, die zweitgrößte Stadt Guinea-Bissaus und Hauptstadt der gleichnamigen Region. Vorher noch mal eine kurze Polizeikontrolle, an der Fahrer das übliche Trinkgeld zahlen muss. Nach 3-4 Stunden auf guter Strasse erreichen wir Gabú, das kommerzielle Zentrum im Osten, Drehscheibe des Handels mit dem Senegal und der Republik Guinea (Conakry).

Der Bus fuhr irgendwann mal in Deutschland, als er zu alt war kam er nach Portugal, als er auch dort ausrangiert wurde, wurde er nach Guinea-Bissau verfrachtet – das Schild „Während der Fahrt nicht mit dem Wagenführer sprechen“ erinnert an die deutsche Zeite…

Das Beste Hotel der Provinzhauptstadt Gabú - Pool, Restaurant, Wlan, Klimaanlage, alles da was man sich wünscht

Der zentrale Markt in Gabú an der Hauptstrasse – es gibt auch noch einen anderen mit Markthalle und neuen Gebäuder etwas ausserhalb des Zentrums, gebaut und finanziert von irgendweiner europäischen NGO – nur sind die Standgebühren dort teuer, ausserdem hat die Bevölkerung kein Geld um extra dorthin zu fahren – so sind die neuen Gebäude verlassen und das Leben spielt sich weiterhin im Zentrum ab…

Einen Weitertransport nach Madina de Boé gibt es heute nicht mehr, nur die Möglichkeit für rund 50 Euro pro Person – ein total überteuerter Preis – mit dem Motorrad weiterzukommen. Wir warten lieber einen Tag… Am nächsten Tag steht ein LKW bereit der bis ins ca. 40 Km entfernte TchéTche fährt. Danach wird es auch heute keinen Transport nach Boé geben, aber es gibt wieder die Möglichkeit mit dem Motorrad weiterzukommen.

Sitz des Governeurs in Gabú - leider ausgebrannt - dieses Jahr wird allerdings schon wieder renoviert...

Bis nach Tchétché gibt es eine unbefestigte Sandpiste, in der Trockenzeit von November bis Mai einigermaßen befahrbar, in der Regenzeit dann unter größeren Schwierigkeiten. Wir brauchen für die 40 Km rund zwei Stunden. Der LKW stoppt nördlich des Rio Corubal über den wir dann mit einem kleinen Boot übersetzen. In Tchetche werden uns wiederum Motorräder mit Fahrer zu hohen Preisen geboten, da sie das Monopol haben willigen wir ein. Es geht nach Madina Boé – noch fehlen 22 km

Da die Grenze zu Guinea-Conakry nicht mehr weit ist kontrolliert das Militär hier bereits zum ersten Mal. Kurz das Anliegen des Besuches freundlich vorgetragen, sich vorgestellt und Geld für drei Zigaretten gegeben, dann kann es losgehen…

Am Übergang des Rio Corubal in Tchetche

Bereits kurz nach Tchetche verändert sich die Landschaft deutlich – es wirkt alles trockener, es gibt nur noch vereinzelte Caju-Plantagen, die sonst das ganze Land bedecken und vor allem wird das Gelände steiniger und etwas hügelig. Tagsüber ist es hier deutlich heißer als in Bissau, nachts umso kälter. Die Region leben fast ausschließlich Fula – auch hat sich das Kreol hier noch nicht vollständig als Alltagssprache durchgesetzt. In Beli, der Provinzhauptstadt, gab es bis vor kurzem ein deutsches Entwicklungshilfeprojekt des Weltfriedensdienstes, so ist man als Deutscher gleich relativ willkommen.

Die Region ist abwelchslungsreich – Steinige Phasen wechseln mit Wald – hier lagern auch riesige Bauxit Vorkommen, die in den nächsten 55 Jahren abgebaut werden sollen. 2010 sollen hier über 300 Mio Dollar investiert werden. Vielleicht ist es das letzte Jahr in der Abgeschiedenheit, bis die Strasse kommt kann es nicht mehr allzu lange dauern…

Madina de Boé – im Jahr 1973 wurde hier von der PAIGC (Partido Africano para a Independencia da Guiné e Cabo Verde) einseitig die Unabhängigkeit von Portugal proklamiert. Heute ist es ein nahezu verlassenes abgelegenes Dorf. Zu Zeiten der Portugiesen gab es hier drei Händler, eine Elektrizitätszentrale, ein Krankenhaus und eine Militärbasis. Rund um den Ort sind die Spuren des 11jährigen Befreiungskrieges zu besichtigen. Man erkennt noch deutlich Gräben und Unterkünfte der Militärs. Um das gesamte Dorf wurden Verteidigungsgräben gezogen und nachts wurde die gesamte Gegend beleuchtet um eventuelle Feinde schon von weitem zu erkennen. Der kleine Ort schrieb große Geschichte.

Heute ist davon nicht mehr viel übrig, ein paar Ruinen vom Elektrizitätswerk, dem Krankenhaus und der Schule. Einzig die 1945 installierte Quelle „Fonte da Colina de Boé“ funktioniert bis heute.

Hauptstrasse Madina de Boé - weil viele Kühe gehalten werden, hat jedes Haus einen Zaun mit Pforte um den Garten herum - fast wie in Deutschland, man fühlt sich gleich wie zu Hause

Nach einer Nacht im relativ komfortablen Haus des Reguló machen wir uns wieder auf den Rückweg nach Bissau. Bei den Fulas und auch bei den anderen Ethnien Guinea-Bissau gibt es häufig das traditionelle System des Reguló. Er ist so etwas wie das Oberhaupt des Dorfes und wird unter anderem zur Schlichtung von Konflikten zu Rate gezogen und genießt außerdem großen Respekt. Daneben gibt es dann noch den „Chefe da Tabanka“ sozusagen das staatliche Gegenstück zum Reguló.

Wenn man als Fremder ins Dorf kommt sollte man sich zuerst beim Reguló und „Chef da Tabanka“ vorstellen und sein Anliegen vortragen. Normalerweise wird einem dann eine Unterkunft zugeteilt und man wird zum Essen eingeladen. Zuständigkeiten und Kompetenzen überschneiden sich teilweise – so existieren beide Systeme nebeneinander. Die Uni Bayreuth erforscht diese Koexistenz verschiedener Rechtssysteme in Zusammenarbeit mit dem INEP in Bissau. Das neue Haus hatte der Reguló als Geschenk vom Präsidentschaftskandidaten bei den diesjährigen Wahlen bekommen…

Es gibt noch eine reiche Tierwelt – Schimpansen und andere Affenarten, Büffel und sogar ein paar Löwen gibt es wohl hier  – in Tchetche gibt es ein kleines Hotel, doch bisher noch keine Gäste. In Zukunft soll ein Nationalpark gegründet werden, als Gegenstück zur Bauxit Exploration, die von einem angolischen Konsortium durchgeführt werden soll. – Montanha Amilcar Cabral – dort fand der erste Kongress der PAIGC statt

Mein Reiseverlauf: von Bissau nach Gabu, nach Tchetche und dann nach Madina...

Auf dem Rückweg gibt es die gleichen Hürden und Schwierigkeiten wie auf dem Hinweg – doch diesmal kommen wir noch am selben Tage wieder in Bissau an.

Vom Weihnachtsfest merkt man in Bissau in der Vorweihnachtszeit nicht allzu viel – es gibt keinen größere Werbung oder Ähnliches, einzig die Handynetzbetreiber weisen in regelmäßigen Abständen mit besonderen Angeboten auf das bevorstehende Fest hin.

Im lokalen „Europäer-Supermarkt“ Mavegro tauchen kurz vor Weihnachten ein paar Kekse und Weihnachtsschmuck auf – das Schiff mit dem Container hatte Verspätung.

Da ich hier in Bissau bei einer sehr katholischen Familie wohne, hatte das Fest doch eine große Bedeutung. Der Garten wurde hergerichtet, das gesamte Haus geradezu geschrubbt und im Wohnzimmer ein kleiner Adventskranz und Plastikweihnachtsbaum aufgestellt. Mangels Strom fehlte es nur noch an der typischen Beleuchtung. Allgemein besteht Weihnachten vor allem aus gutem Essen, weniger aus Geschenken. Die Kirch darf natürlich auch nicht fehlen, die Kinder proben schon ein paar Wochen vorher die Aufführung für das Weihnachtsfest.

Ich wurde immer wieder darauf hingewiesen, dass der Dezember ein besonders gefährlicher Monat sei, da das bevorstehende Fest eine Menge Diebe anlocke. Insgesamt werden oft erstaunliche Summen aufgewendet. Am 24. geht man am späten Abend in die Kirche, um dann um Mitternacht gemeinsam mit der gesamten Familie groß zu essen. Ich selbst habe das jedoch nicht mitgemacht, da ich bei Portugiesen eingeladen war und somit ein eher Portugiesisches Weihnachten erlebte. Genauso fremd wie das guineische für mich.

Der 25. ist dann der eigentliche Hauptfeiertag. Es gibt viel gutes Essen und wer Strom und Musik kann auch tanzen. Die Stadt macht einen deutlich ruhigeren Eindruck als an anderen Tagen. Dennoch der Markt und auch viele Geschäfte sind geöffnet. Die Mehrheit der Bevölkerung ist nicht unbedingt Christlich. Offiziell sind 40% Muslime, 50 % „Animisten“ und nur 10% Christen. Als „Animist“ outet sich jedoch niemand, wenn man fragt sind alle entweder muslimisch oder christlich. Aber auch wenn man nicht zur feiernden Religionsgruppe gehört, nimmt man doch gerne den einen oder anderen Feiertag mit. So gibt es dann alle muslimischen und eben auch christlichen Feiertage hier in Bissau.

Wenn man in Bissau krank wird, was doch relativ häufig der Fall ist, kann man unter verschiedenen Kliniken wählen. Es gibt eine handvoll kleinerer privater Kliniken, deren Ruf zumeist besser ist als der des staatlichen Krankenhauses „Hospital National Simao Mendes“.

So hat man die Qual der Wahl wohin man denn nun gehen sollte. Auch die privaten Kliniken / Praxen machen meist einen wenig vertrauensvollen Eindruck. Da für die meisten Leute hier schon das Geld für ein Gespräch mit dem Arzt schwer aufzutreiben ist – es kostet je nach Ort zwischen 1,80 und 18 Euro pro Konsultation – wird auf weitere Analysen meist gleich verzichtet. Doch auch wenn man diese machen würde, weiß man hinterher oft genauso wenig wie zuvor: Aufgrund unhygienischer Bedingungen ist die Trefferquote bei den Blutanalysen nicht gerade die beste. Zuverlässige Labors gibt es nur zwei – eins unter französischer und eins unter italienischer Leitung – doch die haben auch ein eher europäisches Preisniveau zu bieten, so dass man für ein paar Analysen schnell mal 50-100 Euro los ist – mehr als ein durchschnittlicher Monatslohn. So bekommt man von seinem Arzt des Vertrauens gleich eine große Liste mit Medikamenten gegen Malaria, Typhus, Salmonellen, Würmer und Parasiten. Wenn man das alles genommen hat ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass man wieder gesund wird, wenn nicht kann man noch ein paar weitere Sachen probieren…

Von Ärzten bekommt man oft abenteuerliche Geschichten zu hören, was man denn angeblich alles hätte. Gefühlt scheint das Wissensniveau der hiesigen Ärzte unter dem eines etwas medizinisch versierten Patienten in Deutschland zu liegen. So ist man hier im Zweifelsfall selbst der bessere Arzt. Dennoch, Ordnung muss überall sein. So muss man sich beim Arzt zwar vorher keinen Termin holen, doch muss jeder Name ordnungsgemäß in das Buch eingetragen werden. Eine Rechnung mit Stempel „bezahlt“ gehört auch immer dazu. Da man hier, trotz der desolaten staatlichen Lage, zu einem ausgeprägten Nationalismus neigt, prangt auf jeder Rechnung, jedem Rezept der Briefkopf „Republica da Guiné-Bissau“.

Im „Simao Mendes“ gibt es zwar keine zentrale Registrierung der Patienten – wenn man jemanden besuchen möchte, muss man schon selbst wissen ob und in welchem Gebäude er überhaupt untergebraucht ist. Das hindert jedoch nicht daran von jedem Besucher, der das Krankenhaus betritt die Ausweise zu verlangen und erst bei Verlassen des Krankenhauses wieder auszuhändigen. Einen neuen Anstrich hat das „Simao Mendes“ nun auch bekommen – eine strahlend grünliche Farbe. Drinnen hat sich aber nichts geändert. Für den europäischen Besucher ist es wohl immer ein Schock – ein Krankenhaus in dem es nichts zu geben scheint. So kann einem als Patient auch schon nach einem Tag nach der Operation mitgeteilt werden, dass man nach Hause gehen kann, denn bei Komplikationen könne man eh nichts machen. Dementsprechend sieht auch das Labor aus. Ein dunkler, dreckiger Ort. Ich war dort für einen Malariatest. Ein Angestellter gab gerade ein paar Tropfen Blut auf eine Glasscheibe, da diese nicht ganz sauber schien, holte er eine altes, zerfetztes Küchetuch aus seiner Tasche um sie abzuwischen, das Blut darauf zu geben und dann zu mikroskopieren.

Das Hospital Nacional Simao Mendes in Bissau - Der Haupteingang mit Besucherkontrolle

Raten und tippen ist bei Ärzten wie bei Analyse-Ergebnissen der Standart, aber irgendwas von den bekannten Krankheiten wird man schon haben. So ist krank sein in Bissau eine relativ frustrierende Angelegenheit, deshalb man auch mit jeder ernsteren Angelegenheit zusieht, dass man nach Ziguinchor oder Dakar in den Senegal fährt. Dort ist es nach europäischem Standart zwar immer noch nicht sehr toll, aber verglichen mit Bissau schon ein Traum.

Augrund der schwierigen Bedingungen im Lande ist eine vielzahl guineischer Ärzte im Senegal oder in Portugal geblieben. Die, die in Guinea-Bissau geblieben sind, konzentrieren sich auf die Hauptstadt und tun ihr Bestes. Vieles erscheint geradezu paradox, aber schon mit der misslichen Gesamtlage lässt sich vieles erklären, so dass vieles aus dem Kuriositätenkabinett dann doch nicht so merkwürdig ist wie es hier vielleicht erscheinen mag.